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Die SELK ging 1972 aus dem Zusammenschluß bis dahin eigenständiger kleiner lutherischer Kirchen auf dem Gebiet der alten Bundesländer hervor. 1991 trat auch die Evangelisch - Lutherische (altlutherische) Kirche der früheren DDR der SELK bei. Damit sind fast alle konfessionell - lutherischen Minderheitskirchen in Deutschland zu einer Körperschaft vereinigt. 

Die geschichtlichen Wurzeln der SELK liegen in der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Erste Gemeindebildungen erfolgten ab 1830, nach Einführung der Union (d.h. Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche) in Preußen (1817-1830). Aus dem Widerstand bekenntnistreuer Lutheraner gegen diese Union heraus kam es trotz scharfer Unterdrückungsmaßnahmen des preußischen Staates (1830-1840) zur Bildung einer ersten staatsfreien bekenntnisgebundenen lutherischen Kirche auf deutschem Boden, die sich von Schlesien und Pommern aus in alle preußischen Gebiete ausbreitete („Altlutheraner“). In Hessen (1873/74) und Baden (1851) trat später eine ähnliche Entwicklung ein; in Hannover und Sachsen bildeten sich, freilich im Raum nominell lutherischer Landeskirchen, ebenfalls selbstständige lutherische Gemeinden aus dem Widerstand gegen Rationalismus und liberale Theologie.

Der Hauptgrund gegen die vom Staat eingeführte „Union“ war die feste Überzeugung, dass Kirchenlehren, die einander ausschließen, in einer Kirche nicht gleiches Recht haben können. Das gilt z.B. für die unterschiedliche Lehre von Lutheranern und Reformierten über das Heilige Abendmahl. Es ging also darum, der lutherischen Kirche die Eigenständigkeit ihres Bekenntnisses und ihres Gottesdienstes zu sichern. Da beides in den nunmehr unierten Landeskirchen nicht mehr möglich war, wollten die Lutheraner die Selbständigkeit ihrer Verfassung (wieder) erringen. Zur Entstehung solcher lutherischen Kirchen trug auch die bibelkritische Theologie bei, die sich von den staatlichen Universitäten her ausbreitete. Ein dritter Anlass zu lutherischer Freikirchenbildung - ebenfalls im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts - waren Übergriffe der Behörden auf angestammtes kirchliches Recht, wie zum Beispiel die Einführung einer neuen Trauformel, in der die alte kopulative Form, mit der der Pfarrer die Brautleute zu Eheleuten zusammensprach, abgeschaftt wurde.

Kennzeichnend für alle sich bildenden lutherischen Minderheitskirchen, an verschiedenen Orten mit ihren unterschiedlichen geschichtlichen Bedingungen, war die bewusste Übernahme von Verantwortung für Glauben und Kirche durch Gemeinden und Pfarrer, daran waren in nicht geringem Maße auch Frauen beteiligt. Trotz unterschiedlicher theologischer Akzentsetzungen verband alle diese bekenntnisgebundenen Kirchen die heute in der „Grundordnung“ der SELK festgeschriebene Bindung an die Heilige Schrift „als an das unfehlbare Wort Gottes“ und an die lutherischen Bekenntnisschriften, „weil in ihnen die schriftgemäße Lehre bezeugt ist“ (Artikel 1).

Der „freikirchlichen“ Verfassungsform wird in der SELK keine eigene theologische Qualität zugemessen, sie wird aber als geschichtlich bedingte Existenzform bejaht. An der Spitze der SELK steht ein Bischof, den die Pfarrerschaft im Allgemeinen Pfarrkonvent nominiert und die Kirchensynode als oberstes Organ wählt; beide Gremien treten alle vier Jahre zu ihren Beratungen zusammen. In der Kirchensynode sind wie in der aus elf Personen bestehenden Kirchenleitung sowohl Pfarrer als auch Gemeindeglieder vertreten. Die Kirchglieder in den Gemeinden sind bundesweit auf elf Kirchenbezirke (mit je einem Superintendenten) in vier Sprengeln (mit je einem Propst) zugeordnet. Die Pfarrer haben ihr Studium in der Regel an der von der SELK getragenen Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel (Taunus) und an staatlichen Universitäten abgelegt. Finanziell stützt sich die SELK auf die aus Selbstverpflichtung entrichteten Gaben ihrer Gemeindeglieder (ohne Kirchensteuereinzug). Die SELK ist Körperschaft des öffentlichen Rechts.


Quellen:

  • Professor Dr. Werner Klän; aus: Uecker, Konrad (Hg.): Kirche auf festem Glaubensgrund. Fast alles über die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, Groß Oesingen 1996, Seiten 140-151

  • Propst i.R. Horst Brügmann: Beitrag in Festschriften, erstmals „100 Jahre St. Johannis Gemeinde Scharnebeck 1878-1978“ (ohne Seitenzahlen)

  • Artikel „Kurzinformation über die SELK“, Text1 und Text2 (2014: SELK Pressedaten )